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Zwischenhalt -
authentisch
leben lernen

 


Das vorliegende Buch ist für Menschen geschrieben, die in unserer von Hektik und Aktivismus geprägten Zeit nicht nur von allen möglichen Aufgaben und Verpflichtungen getrieben werden wollen, sondern die ihr Leben eigenverantwortlich gestalten möchten. Für Zeitgenossen also, die daran interessiert sind, einen Schritt zurückzutreten und sich Gedanken über die Art ihrer Lebensführung zu machen. Ihnen können die nachstehenden Impulse zu einem Zwischenhalt dienen, der zu Selbstreflexion und Neuorientierung führen kann.


Das Bild von sich

An Selbstbewusstsein schien es Johann Nestroy, Schauspieler und Autor von Bühnenstücken, nicht zu mangeln. Er hatte, wie er schrieb "die Spiegel abgeschafft, weil sie die Frechheit haben, mein Gesicht, was einzig in seiner Art ist, zu verdoppeln." In seiner Arbeit hielt er aber gerne andern den Spiegel vor.
Jugendliche haben in der Regel das gegenteilige Problem. Wenn sie in den Spiegel schauen, gefällt ihnen das eigene Spiegelbild nicht. Sie möchten auch so aussehen wie diese oder jene Schönheit. Viele gewöhnen sich nach und nach an das eigene Aussehen. Andere können sich vielleicht nie ganz mit ihrem Äusseren anfreunden.
Von noch grösserer Bedeutung ist das andere Bild, das ein junger Mensch vor Augen hat, das Bild, wer er sein möchte oder wer er sein müsste. Wer hat in seiner Jugend nicht ein solches Bild als Ziel oder Last mit sich herum getragen? Viele Menschen versuchen während Jahren oder gar Jahrzehnten mit viel Einsatz, diesem Bild zu entsprechen. Ob es einem auf Dauer gut geht mit diesem Bild hängt davon ab, ob es zur eigenen Persönlichkeit passt oder nicht.

Mich gibt es nur einmal.
In jedem Menschen ist ein unverwechselbarer Persönlichkeitskern angelegt. Eltern von mehreren Kindern stellen oft erstaunt fest: »Keines ist gleich wie das andere.« Bei günstigen Lebensumständen und je nach Förderung durch Erziehung und Bildung kann sich dieser Persönlichkeitskern positiv entwickeln und entfalten. Wer seinen Persönlichkeitskern im Wesentlichen entwickeln konnte, der kann sich sagen: "Ja, das bin ich, so bin ich wirklich. Und es ist gut so." Schwierig ist es, wenn sich in diesem Bild eine Person spiegelt, die einem fremd erscheint: "Eigentlich bin ich das nicht. Das ist nicht mein wahres Wesen." Und es stellt sich die Frage: Wer bin ich denn? Eigentlich sind es immer zwei Fragen: Wer bin ich vom Wesen und von meinen Begabungen her? Und: Wer bin ich geworden durch die fördernden und hindernden Einflüsse meiner Lebensgeschichte?
Wer das Glück hatte, als Kind von seinen Eltern und andern wichtigen Bezugspersonen erkannt und verstanden zu werden, hatte die besten Chancen, sich selber zu werden und zu sein. Wer in ein fremdes Persönlichkeitsbild gepresst wurde oder sich mit besten Absichten selber hineingezwängt hat, fühlt sich missverstanden und erlebt sich wie in einer fremden Haut.
Ungünstige Umstände behindern oder verfälschen die Entwicklung. Es kann für die Eltern und andern Bezugspersonen eine grosse Herausforderung sein, ein Kind in seiner Eigenart zu verstehen und ihm gerecht zu werden. Sehr problematisch sind fixe Vorstellungen, wie ihr Kind sein sollte und was aus ihm werden müsste. Und noch schlimmer, wenn ein Kind psychischen oder physischen Misshandlungen ausgesetzt ist. Da fehlt der Respekt vollständig vor der Einmaligkeit dieses kleinen Menschen.
Aber auch weniger gravierende Erfahrungen von Unverstandensein und von fixen Vorstellungen können der Entfaltung von persönlichkeitsspezifischen Fähigkeiten im Wege stehen. Sie behindern die Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens. Wie sehr und nachhaltig mangelndes Selbstvertrauen das Leben erschwert, kennen die Betroffenen nur allzu gut. Es ist nicht verwunderlich, dass einem in der therapeutischen Praxis vor allem Menschen begegnen, die aufgrund ihrer Familien- und Lebensgeschichte in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit erheblich behindert oder blockiert worden sind. Tröstlich dabei ist, dass in aller Regel der echte Kern der Persönlichkeit erhalten bleibt. Das heisst, ungünstige Prägungen und Verfremdungen müssen die Entwicklung nicht lebenslang behindern.

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