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Endlich hat mir
jemand zugehört

 



Man kann auch Zeit schenken.
Die Zeit sorgt dafür, dass diese Zeit ein immer selteneres und vornehmeres Geschenk wird.
Sigmund Graff

Man kann auf eine Art zuhören,
die mehr wert ist als das Gefälligste, was man sagen kann.
Charles J. von Ligne

 


Zu diesem Buch - eine besondere Erfahrung

Wer dieses Buch zur Hand nimmt, dem steht eine besondere Erfahrung bevor. Seite um Seite enthüllen diese Geschichten nicht so sehr Schicksale als die innere Zwiesprache eines Menschen, der sich der Begegnung mit Schicksalen aussetzt. Schritt um Schritt lässt er uns miterleben, wie er versucht, mit den mannigfachen Herausforderungen seiner Beratertätigkeit zu leben. Bald einmal verdichtet sich im Leser eine Ahnung, dann eine deutlichere Vorstellung von dem, was in dieser Beratertätigkeit wesentlich ist: eine scheinbar einfache und doch so wenig selbstverständliche Haltung.

Was diese Haltung für bedrängte Menschen zu bedeuten und zu leisten vermag, erlebe ich seit dreissig Jahren psychiatrischer Tätigkeit stets wieder neu. Die Telefonseelsorge hat sich als ein hervorragender Weg erwiesen, rasch und unkompliziert und dann, wenn der Anrufer es braucht, so viel Nähe und Verständigung entstehen zu lassen, wie sie ihm möglich sind. Die minimale Zugangsschwelle und die Intimität, die eine Stimme nahe am Ohr zu bewirken vermag, kennzeichnen das Setting. Vermittelt dieses Setting einen Zuhöher, der Zeit hat und bereit ist, den Anrufer zu verstehen, dann ist genau die Situation entstanden, die bei unserer Art zu leben allzu viele Menschen vermissen müssen. Diese Chance zu vermitteln ist das Verdienst der Telefonseelsorge und ihrer Mitarbeiter - eine Chance, die als Ergänzung zu professioneller Hilfe, Nachbarschafts- und Selbsthilfe etc. nicht wegzudenken ist zur Bewältigung von Alltagsproblemen ebensogut wie von Erschütterungen und Krisen.
Zemps behutsame Sprache zeugt auch davon, wie sehr diese Beratungsarbeit immer auch Arbeit an sich selbst ist, eine Arbeit ausserdem, die nie zu Ende ist. In allen Kapiteln begegnet uns die Bereitschaft des Autors, sich nicht nur den fremden, sondern auch den eigenen Gefühlen auszusetzen. Damit wächst sein Buch über ein reines Sachbuch hinaus: Zusätzlich zu den vielen lebensnahen Hinweisen in seinen Beispielen, zusätzlich zu den im Anhang abgedruckten Ratschlägen und Richtlinien vermittelt er dem Leser einen Zugang zu der schon erwähnten Haltung, die hilft, andern beizustehen und dabei auch etwas für sich selbst zu tun.

Prof. Dr. med. Ambros Uchtenhagen
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