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Eheideal
Liebes-
gemeinschaft

 



Es wäre an der Zeit, dass die Kirche ihre Mitglieder als mündige Christen betrachtet.

 


Die Kirche könne als Expertin der Barmherzigkeit gelten

In unzähligen Gesprächen mit Menschen, die am Rande der Kirche leben oder das Geschehen nur noch von außen betrachten, habe ich erfahren, wie fremd ihnen die Kirche und ihre Werte geworden sind. Werte, um die sich die Kirche sorgt, bleiben theoretische Begriffe, bis sie im konkreten Lebensvollzug ihren Ausdruck finden. Wie sich die Werte ausdrücken, ist wandelbar. Was in einer Situation adäquat ist, kann in einer anderen das Gegenteil sein. Drückt sich die Elternliebe in der Fürsorge für das Kleinkind darin aus, dass die Eltern entscheiden, was für das Kind gut ist, zeigt sich die Liebe gewiss adäquat. Wenn die gleichen Eltern später weiterhin über das Leben des erwachsenen Kindes bestimmen wollen, mangels Vertrauen, wird das "lieb Gemeinte" zum Gegenteil von Liebe. Sollte etwas schief laufen im Leben dieses mündigen Erwachsenen, wird er oder sie vor allem elterliche Vorwürfe zu hören bekommen. Ähnelt die Ehe- und Sexualmoral der katholischen Kirche nicht dem Verhaltensmuster solcher Eltern?
Dieses Buch will aufzeigen, dass es an der Zeit wäre, und für die römisch-katholische Kirche durchaus möglich, ihre Mitglieder als mündige Christen zu betrachten. Viele Gläubige fühlen sich wie Unmündige behandelt, vor allem wenn es um Ehe und Sexualität geht. Die Regeln und Gesetze sind zwar gut gemeint, aber in ihnen drückt sich nicht die göttliche Liebe zu den Menschen aus. Die Kirche müsste vom Gesetzesdenken weg zu einem Wertedenken finden. Darin läge die Chance der Kirche - vielleicht so wie noch nie in ihrer Geschichte: Als interessierte, verständnisvolle und liebende Begleiterin der Menschen wahrgenommen zu werden, ohne die zentralen Werte der biblischen Botschaft zu schmälern. Vielmehr würden die Werte für uns Menschen, auch für viele außerhalb der Kirche, an Ausstrahlungskraft gewinnen.

Für eine Ehe- und Sexualmoral der Liebe

Das Zweite Vatikanische Konzil hat der Ehe als Liebesgemeinschaft einen eigenen Wert zugestanden und damit Hoffnungen auf eine Erneuerung der Ehe- und Sexualmoral der röm.-kath. Kirche geweckt. Die wiederverheirateten Geschiedenen haben darauf gewartet, nicht weiter als "permanente Sünder" behandelt zu werden.

Doch diese Hoffnungen wurden enttäuscht. Das führte zu einer Entfremdung zwischen einem großen Teil der Gläubigen und der Kirche. Papst Franziskus hat durch seine Äußerungen zur Ehe- und Familienpastoral die nachkonziliären Hoffnungen neu aufleben lassen.
Der Autor zeigt Wege auf, wie die Kirche zu einer erneuerten christlichen Ehe- und Sexualethik finden könnte. Er versucht dies sowohl aus der Innensicht der Kirche wie aus der Außensicht überzeugter und selbstständig denkender Christen. Eine neue Ethik müsste sich von der Gesetzlichkeit befreien können und sich neu an den zentralen Werten der Froh-Botschaft orientieren. Sie müsste mit den Menschen in der jeweiligen Lebenswelt auf dem Weg sein und im Gespräch bleiben und gemeinsam die Werte situationsgemäß benennen und pflegen.

Dieses Buch möchte all jene ansprechen, die an einer menschennahen Kirche interessiert sind.
Niklaus Zemp
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