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Eheideal
Liebes-
gemeinschaft

 



Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von Leben blüht und für eine großartige Zukunft bestimmt ist.

Johannes XXIII.

"Ehen werden im Himmel geschlossen, aber dass sie geraten, darauf wird dort nicht gesehen." Marie von Ebner-Eschenbach spricht mit diesem Satz vielen aus dem Herzen. Erst recht, wenn wir anstelle von "Himmel" "Kirche" einsetzen.

"Ehen werden im Himmel geschlossen, aber ..."

Die Kirche hat Normen für die Ehen gesetzt, die heute von vielen nicht mehr verstanden und deshalb auch nicht mehr ernst genommen werden. Es steht der Kirche frei, ihren Gläubigen Gesetze und Normen für die Ehe und das Sexualleben aufzuerlegen, auch wenn nicht alle biblisch begründet sind. Wer sich nicht daran hält, lebt in ständiger Sünde, oder wird gar aus der Kirche ausgeschlossen. Die Kirche kann sich diesen Menschen gegenüber hartherzig oder barmherzig zeigen - mit entsprechenden Konsequenzen. Die kirchliche Hierarchie nimmt für sich das Recht in Anspruch, allein zuständig zu sein zu beurteilen, was der Frohbotschaft entsprechendes ethisches Verhalten in der Paarbeziehung und im Geschlechtsleben ist.

Während Jahrhunderten konnte die Kirche ihre Lehren mit Berufung auf die von Gott verliehene Autorität verkünden, ohne auf Widerspruch zu stoßen. Die biblischen Begründungen wurden während Jahrhunderten, solange die Wenigsten lesen konnten, fraglos akzeptiert. Und noch lange nachher war den Gläubigen nicht erlaubt, oder es war mindestens unerwünscht, die Bibel selber zu lesen.Inzwischen lesen auch Katholiken die Bibel. Viele überzeugte Christen haben nach dem Religionsunterricht in Kursen und durch Lektüre ihre Kenntnisse und ihren Glauben vertieft und erlauben sich, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Viele, die mit Überzeugung in der Kirche nach den kirchlichen Regeln und mit den verlangten Treueversprechen geheiratet haben und deren Ehe in eine Krise geraten oder gar gescheitert ist, fühlen sich von der Kirche allein gelassen. Manche, die mit besten Absichten in der Kirche geheiratet haben, kommen sich gar als Betrogene vor. Von der sakramentalen Eheschließung hatten sie sich eine Garantie für das Gelingen der Ehe erwartet. Man mag dies als eine kindliche Vorstellung betrachten. In der katholischen Theologie ist ein Sakrament ein sichtbares Zeichen, das Heil wirkt, das heißt, es bewirkt, was Wort und Zeichen versprechen. Solange die Menschen noch unerklärliche Welt- und Lebenserfahrungen als magisches Geschehen deuteten, war ihnen diese Denkweise vertraut. Magisches Denken ist heute nicht mehr allgegenwärtig, aber keineswegs ausgestorben. Es überrascht nicht, wenn die Wirkung des Ehesakramentes von vielen als ein magisches Geschehen verstanden wird; nach dem Vollzug des sakramentalen Rituals kann nichts mehr schief gehen. Wenn die Ehe dann aber doch nicht glücklich wird, ist es verständlich, wenn Betroffene enttäuscht sind, weil das Sakrament nach ihrem Verständnis nicht gewirkt hat. Das Scheitern einer Ehe bedeutet dann auch, von Gott verlassen worden zu sein.
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